Drucken - Fenster schliessen

Pilotprojekte und Innovationen im Gewässerschutz

Der 1975 geschaffene ADV-Fachausschuss Umwelt dient den deutschen Flughafenunternehmen sowie den korrespondierenden Mitgliedern zur Information über den bestmöglichen Umweltschutz auf Flughäfen und in deren Umgebung. Die AG "Wasserwirtschaft" dieses Fachausschusses hat wertvolle Erfahrungen mit Pilotprojekten ausgetauscht und dokumentiert.

Wasser ist eines der wertvollsten Güter. Da auch die Ressource Wasser nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, ist ein sparsamer und sorgsamer Umgang mit ihr in allen Bereichen notwendig.
Sparsamer und sorgsamer Umgang mit Wasser gehört daher zu den Umweltschutzzielen, die von den deutschen Verkehrflughäfen konsequent verfolgt werden. So werden in diesem Bereich zahlreiche Technologien erprobt und angewendet, die dem ressourcenschonenden Umgang und dem Gewässerschutz dienen.

Regenwassernutzung

Eine Möglichkeit, den Trinkwasserverbrauch am Flughafen entscheidend zu senken, ist die Regenwassernutzung. Auf verschiedenen Flughäfen wurden beim Neubau von Gebäuden oder Flugbetriebsflächen gleichzeitig Regenwassernutzungsanlagen integriert. Damit können zum einen gesetzliche und technische Anforderungen an die Rückhaltung von Niederschlagswasser erfüllt werden, zum anderen steht Brauchwasser für verschiedenste Systeme des Flughafens zur Verfügung. Der auf diese Weise verminderte Bedarf an Trinkwasser ist ein wirksamer Beitrag zur Ressourcenschonung.

Umweltfreundlicher Winterdienst

Auch im Winter muss ein störungsfreier Flughafenbetrieb aufrecht erhalten werden. Um die Betriebsflächen und die Flugzeuge auf umweltverträglichem Wege von Eis zu befreien, werden biologisch abbaubare Enteisungsmittel verwendet. Diese Mittel wurden in den vergangenen Jahren in der Weise weiter entwickelt, dass sie, wenn sie in geringen Konzentrationen mit dem Oberflächenwasser in Gewässer gelangen, keinen Schaden verursachen. Die Konzentration der Enteisungsmittel wird am Abfluss zu umliegenden Gewässern überwacht, um das Wasser bei Grenzwertüberschreitung einer Reinigung zu unterziehen. Dies ist notwendig, damit sich der sauerstoffzehrende Abbauvorgang der Enteisungsmittel nicht negativ auf das Gewässer auswirken kann. Um Stoffkreisläufe zu schließen, werden außerdem Abwässer mit hohen Konzentrationen aufbereitet, um auf diesem Weg Enteisungsmittel zurückzugewinnen.
Seit Beginn der Winterperiode 1996/97 wird mit Enteisungsmitteln belastetes Regenwasser von Teilflächen des Flughafens Berlin-Schönefeld in einer Wurzelraumkläranlage behandelt. Bei diesem Verfahren werden gezielt die Fähigkeit eines physikalisch, chemisch und biologisch aktiven Bodenkörpers genutzt, im Abwasser enthaltene Laststoffe abzubauen bzw. zu binden. Schilfbeete auf einer Fläche von ca. 1,2 Hektar bilden das Kernstück der Anlage.

Wurzelraumkläranlage auf dem Flughafen Berlin Schönefeld
Wurzelraumkläranlage auf dem Flughafen Berlin Schönefeld

Am Flughafen München werden hochkonzentrierte Enteisungsabwässer so aufbereitet, dass eine Wiederverwendung des Enteisungsmittels möglich wird. Eine weitere Möglichkeit der Verwendung von bereits eingesetzten Enteisungsmitteln ist die Entsorgung über Kläranlagen, von denen die Mittel als Alkoholersatz für Klärschlammfaultürme verwendet werden können.

Unkrautbekämpfung mit heißem Schaum

Für die Verkehrssicherheit am Boden müssen die technischen Anlagen der Flughäfen von Unkraut freigehalten werden. Dies gilt z.B. für die notwendigen Sichtkontrollen an den Außenzäunen und die Signaltechnik am Flughafen, die vor dem Zuwachsen geschützt werden müssen.
Einem besonders hilfreichen Verfahren zur umweltschonenden Unkrautbekämpfung hat der Flughafen Bremen zum Durchbruch verholfen. Seit 1999 hat der Flughafen in Zusammenarbeit mit den Behörden und einer neuseeländischen Firma an der Zulassung eines Verfahrens zur Unkrautbekämpfung mittels eines Heißschaum-Tensid-Gemisches (Extrakt aus Zuckerrohr, Mais und Kokosnuss) gearbeitet. Die vollständig biologisch abbaubaren Zuckertenside sollen anstelle herkömmlicher Herbizide eingesetzt werden und Boden und Gewässer entlasten. Nachdem die erste Test- und Genehmigungsphase abgeschlossen wurde, kann der Flughafen das Verfahren nun unter wissenschaftlicher Überwachung des Wasser- und Bodenzustandes zum Einsatz bringen. Mit dieser langfristigen Überwachung soll nachgewiesen werden, dass das Verfahren auch in der Praxis ohne negative Auswirkungen bleibt.




ADV Copyright 2007